Frage, Stadtjournal: Herr Prof. Dr. Polzar (KKU), über welche besondere Invisalign® Technik möchten Sie heute sprechen

Heute sprechen wir über einen jungen, 22-jährigen Patienten, der einen Deckbiss hat, also nach innen geneigte Frontzähne. Dies ist eine meist erbliche Komponente. Außerdem hat dieser Patient einen sogenannten „Tiefen Biss“, das heißt, die oberen Frontzähne sind so steil nach hinten und unten ausgerichtet, dass man die unteren Frontzähne kaum sieht. Das führt dazu, dass die Verzahnung im Unterkiefer-Seitenzahnbereich komplett nach hinten gedrückt wird. Wir haben also zum einen ein ästhetisches Moment bei diesem Fall, zum anderen ist es aber auch so, dass gerade diese Patienten sehr häufig, etwa wenn sie stressbelastet sind, unter Kiefergelenksbeschwerden leiden. Bei diesem Patienten müssen also gleich zwei Komponenten beachtet werden: Nicht nur die Ästhetik, um die es dem Patienten vordergründig ging, sondern zusätzlich auch eine medizinische Indikation.

Patient mit tiefem Biss und Deckbiss.

Invisalign® Behandlung vom tiefem Biss und Deckbiss

Die unteren Frontzähne sind kaum zu sehen und von den oberen steil stehenden Frontzähnen verdeckt (Blaue Linie) Die Seitenverzahnung zeigt einen Rückbiss (roter und grüner vertikaler Strich sind nicht übereinander).

Frage, Stadtjournal: Welche kieferorthopädische Behandlung haben Sie in diesem Fall vorgenommen?

Gerade bei einem tiefen Deckbiss hat die Behandlung des/der Patienten eine Bedeutung für die Funktion des Gebisses. Die Frage war hier: Ist eine Behandlung mit kieferorthopädischen Methoden möglich, oder müssen wir zusätzliche kieferchirurgische Maßnahmen ergreifen? In diesem Fall entschied sich der Patient für eine Technik ohne zusätzlichen chirurgischen Eingriff. Mit einer neuen Technik, dem sogenannten „Distal-Carrière“, entwickelt von Dr. Luis Carrière, war dies möglich.

Frage, Stadtjournal: Wie funktioniert das Verfahren Distal-Carrière?

Fast unsichtbare Zahnkorrektur durch Distal-Carrière und anschließender Invisalign® Therapie

Der Distalizer besteht aus zwei Elementen, einem hinteren und einem vorderen sowie einem Spezialgelenk. Zusammen bewirken sie, dass der falsch im Gebiss liegende Zahn per Rotation und Kippung „aus den Angeln gehoben wird“, um ihn anschließend seitlich nach hinten zu schieben und die falsche Verzahnung im Oberkiefer-Seitenzahnbereich um eine Zahnspitze nach hinten zu versetzen. Dies geschieht mit Gummizügen, die vom Unterkiefer, also dem hinteren Zahn zum Eckzahn im Oberkiefer gespannt werden. Der Eckzahn wird dadurch länger und die ganze Verzahnungsebene, die „Okklusionsebene“, rotiert nach vorn unten. Allein dadurch erhalten wir den Sprung von der Rückbissverzahnung in den Neutralbiss. Dieses Verfahren funktioniert ganz ohne Chirurgie. Ein kleiner Nachteil liegt allerdings darin, dass im Erwachsenenalter nur geringe knöcherne Kieferumstellungen erzielt werden und somit es kaum zu einer Verbesserung des Profils kommt. Der gesamte Unterkiefer wird nur im Bereich von einem bis zwei Millimetern nach vorn rutschen, bei einer kieferchirurgischen Behandlung sprechen wir von circa acht bis zehn Millimetern. Da viele Patientinnen und Patienten aber verständlicherweise vor dem chirurgischen Messer zurückschrecken, stellt der Distal-Carrière hierzu eine gute Alternative dar.

In Verbindung mit Invisalign®-Schienen können wir dann sogar ganz auf die „Bracketapparaturen“ verzichten und haben somit eine nahezu unsichtbare Behandlungsmethode etabliert.

Frage, Stadtjournal: Wie verläuft die Behandlung mit dem Distal-Carrière und Invisalign®?

Im ersten Schritt beheben wir die Fehlverzahnung. Ist dieser Brocken erst einmal geschafft, stehen das Hauptkauzentrum und der Eckzahn in der richtigen Relation. Jetzt müssen die Frontzähne zur Feineinstellung der Verzahnung folgen. Und dieser letzte Schritt geschieht schließlich mit der bewährten Invisalign®-Methode.

Invisalign® Planung

Invisalign® Planung Oberkiefer

Invisalign-Planung der Oberkiefer-Bewegung, die Frontzähne werden „protrudiert“ und damit nach vorne bewegt.

Das Behandlungsergebnis

Nach Behandlung mit Distal-Carrière und Invisalign®

Das erreichte Endergebnis nach ca. zwei Jahren. Auf einen sonst hierfür üblichen chirurgischen Eingriff konnte verzichtet werden.

Frage, Stadtjournal: Wie lange dauert eine solche Invisalign®, Distal-Carrière Therapie?

Antwort: Bei unserem Patienten hat die Behandlung mit dem Distal-Carrière nur sieben Monate gedauert. Sieben Monate für eine komplette Gebissumstellung! Je nachdem, wie gut der Körper reagiert und wie gut der Patient auch von sich aus mitmacht, liegt die Durchschnittsdauer bei sieben Monaten bis eineinhalb Jahren. Bei einer invasiven Therapie, also einem chirurgischen Eingriff, ist die Behandlungszeit nicht kürzer. Zusätzlich wurde 20 Monate lang die Feineinstellung mit Invisalign® vorgenommen. Das Resultat bei diesem Patienten lautet also: komplette Gebissumstellung, Bisshebung und eine bessere Winkeleinstellung der Frontzähne. Er kam damals, wie gesagt, aus ästhetischen Gründen zu uns, in Wirklichkeit aber haben wir eine Prophylaxe vorgenommen. Eine Prophylaxe zur Vermeidung der Schädigung des Kiefergelenks und einer vorzeitigen Abnutzung der Frontzähne.

Frage, Stadtjournal: In welchem Kostenrahmen bewegt sich diese Form der Distal-Carrière und Invisalign® Therapie?

Antwort: Die Krankenkassen beteiligen sich ab 18 Jahren leider nicht mehr daran. Die Mehrkosten für den Carrière- Distalizer liegen bei ca. 1.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für eine vom Fachmann durchgeführte Aligner-Therapie inklusive Laborkosten von ca. 6.000 bis 8.000 Euro. Ich weise gern noch einmal darauf hin, dass bei einer Behandlung durch selbsternannte Fachmänner via Internet, die sich in einer absoluten Grauzone bewegen, erstens unter Garantie kein auch nur annähernd so gutes Ergebnis erzielt werden kann, und zweitens sich der finanzielle Aufwand letztendlich im gleichen Rahmen bewegt, eine Gefahr der unzureichenden Therapie durch Selbstbehandlung inklusive möglicher Schädigungen der Kaufunktion und des Kiefergelenkes jedoch sehr hoch ist.

Man könnte eine solche Therapie auch ausschließlich anhand von Aligner-Technologie vornehmen. Dann aber können wir uns nicht zu 100 Prozent sicher sein, ob sie auch vollständig gelingt. Zusammen mit dem Distal-Carrière schließen wir dieses Risiko nahezu aus. Die Vorarbeit mithilfe des Distalizers sorgt dafür, dass wir anschließend mit Invisalign® das richtige Ergebnis erzielen.

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