Frage, Stadtjournal: Herr Prof. Dr.Polzar, welche Maßnahmen empfehlen Sie zum Erhalt der Resultate nach Invisalign® und/oder einer festen Zahnspange?

Antwort: Nach der kieferorthopädischen Behandlung will das Ergebnis natürlich gehalten werden. Jeder Mensch möchte danach dauerhaft seine geraden Zähne behalten, doch das ist gar nicht so selbstverständlich! Deshalb müssen Maßnahmen ergriffen werden, die das mühsam erreichte Ergebnis stabilisieren. Wir Fachärzte sprechen hier von der sogenannten Retention. Viele Patienten denken, dass die Zähne nach der Therapie ein Leben lang so bleiben. Wir können aber nach der aktiven Behandlung nicht wissen, ob das Ergebnis wirklich stabil bleibt, oder nicht. Darum ist die Retention so wichtig.

Retention und Rezidiv

Patientin nach einem Jahr unzureichender Retention und Rezidiv bei vorheriger fünf jähriger KFO-Behandlung mit fester Spange

Retentionsdrähtchen Patientenbeispiel

Gleiche Patientin nach nochmaliger elfmonatiger Invisalign-KFO-Behandlung und kaum sichtbarem (Pfeile) Retentionsdrähtchen. Das Ergebnis ist selbst 15 Jahre später noch genau so stabil

Frage, Stadtjournal: Welche Einflüsse spielen hier eine Rolle?

Antwort: Es gibt viele Gründe, die die Stabilität gefährden können. Der häufigste Grund ist der sogenannte „Tertiäre Engstand“. Davon ist jeder zweite Mensch betroffen, weder Arzt noch Patient können hier etwas dafür. Insbesondere Jugendliche und Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren entwickeln diesen tertiären Engstand, wobei mehr Frauen als Männer davon betroffen sind. Sehr wahrscheinlich spielen hier die Gene eine Rolle.

Frage, Stadtjournal: Was ist der tertiäre Engstand?

Antwort: Der tertiäre Engstand entsteht, weil alle Zähne im Gebiss nach vorne wander nwollen. Und da dies auf einen Zeitpunkt fällt, in dem auch die Weisheitszähnekommen, denken viele, es hängt mit den Weisheitszähnen zusammen. Dann werden die Weisheitszähne gezogen. Das ist aberfalsch! Wir wollen keinen Zahn ziehen, auch keinen Weisheitszahn. Wenn wir vorher richtig behandeln und den Kiefer groß machen, dann wird der Weisheitszahn nicht für den Druck verantwortlich sein. Ist der Knochen nicht groß und stabil genug, führt dies zu einem Engstand in der Unterkieferfront. Damit fängt es an und es fehlt dann die Unterstützung für den Oberkiefer. Nach einer gewissen Zeit werden daraufhin auch die oberen Frontzähne allmählich schief. Spätestens dann kommen die Patienten wieder zum Kieferorthopäde nund wünschen sich wieder gerade Zähne.

Frage, Stadtjournal: Gibt es noch andere Gründe, warum die Zähne wieder schief werden?

Antwort: Ein weiterer Grund für Zahnwanderungen ist ein zu enger Mundinnenraum, der nach einer kieferorthopädischen Extraktion von bleibenden Zähnen entsteht. Es ist dann in der Regel zu wenig Platz für die Zunge. Sie sucht sich ganz automatischeinen Weg und presst nach vorn gegen die Zähne. Dieser Druck verursacht viele Lücken zwischen den Zähnen und treibt die Frontzähne weit nach vorne. Der dritte Grund ist ganz profan: Frauen haben von Naturaus einen anderen Kalziumhaushalt als Männer und grazilere Knochen. Durch bestimmte Phasen, etwa jener, in der sie Kinder bekommen und stillen oder in den Wechseljahren, passiert viel mit dem Knochen, wass ich auf eine vorherige Behandlung auswirken kann. Durch gewisse Lebensgewohnheiten, beispielsweise Zigaretten rauchen, können die Zähne außerdem in Mitleidenschaft gezogen werden. Zu guter letzt haben auch Erkrankungen wie Diabetes oder Stoffwechselkrankheiten einen Einfluss auf die Zahnstellung.

Frage, Stadtjournal: Wann muss ich retinieren?

Antwort: Wenn ich es richtig machen will, dann ein Leben lang. Es gibt Einflüsse, wie Stressim Job, in der Familie oder sonstige Lebensumstände, die viele Menschen einfach nicht richtig verarbeiten können, weil ihnen der Ausgleich fehlt. Dann fangen sie zum Beispiel an, mit den Zähnen zu knirschen. Das aber macht die Zähne kaputt und führt ebenfalls zu Rezidiven.

Ausführliches zum Rezidiv:

Frage, Stadtjournal: Welche Retentionsmaßnahmen gibt es?

Antwort: Die erste Maßnahme ist die Retentionsspange, die man nachts anzieht. Nach einem Jahr sollte man dann auf eine Retentionsschiene wechseln, die dann auch vor Überlastungen der Zähne und des Kiefergelenkeswegen nächtlichem Knirschen schützt. Zusätzlich sollte ein kleines Metalldrähtchen hinter die Zähne eingesetzt und möglichst glatt angepasst werden. Wenn die Patienten mich fragen „Warum brauche ich dieses oder jenes?“, dann verweise ich darauf, dass dieser Draht als „Sicherheitsgurt“ fungiert und die Retentionsspange/-schiene den Airbag darstellt, der zusätzlich noch vor der durch Knirschen gefürchteten „Attrition" schützt. Wer sich über Jahre hinweg einer kieferorthopädischen Behandlung unterzieht, der will am Ende auch ein dauerhaft gutes Ergebnis haben.

Frage, Stadtjournal: Was kosten diese Maßnahmen?

Antwort: Die erste Retentionsspan-ge und das erste Überwa-chungsjahr wird von dengesetzlichen Krankenkassenübernommen.Eine Retentionsschieneliegt, ganz gleich ob vomZahnarzt oder Kieferor-thopäden, bei einem Auf-wand von circa 200 Euro.Der Patient braucht nur ein-mal im Jahr zur Kontrollekommen. Die Drähtchendagegen liegen, wenn siegut gemacht sind, bei ei-nem Preis von etwa 700Euro. Die Besonderheit inunserer Praxis liegt darin,dass wir den Draht nicht mit einem einzigen Klebepunktauf der Rückseite der Zähnefixieren, sondern eine glatteFläche bilden, in der derDraht quasi verschwindet und nicht mehr stört. Essieht so aus, als würde derDraht im Zahn liegen, dastut er natürlich nicht.

Retentionsschiene

Retentionsschiene, ein bis sieben Mal pro Woche zu tragen und ca. alle zwei bis fünf Jahre zu erneuern

Diese Vorgehensweise hat sich bewährt, wir haben dadurch 75 Prozent weniger Anfälligkeit für Reparaturen und schonen gleichzeitig das Zahnfleisch. Auch verhindern diese glatten Klebeflächen, dass die Zungegereizt wird und gegen den Draht drückt und die Zähne wieder auftreibt. Die gute Botschaft ist, dass mit der richtigen Retention das Gebiss ein Leben lang gerade und schön bleiben kann. Die schlechte Botschaft ist, dass ohne Retention circa 50 bis 70 Prozent der Patienten einen erneuten Behandlungsbedarf entwickeln. Die Zähne bewegen sich ein Leben lang. Aber sie müssen sich „geführt“ bewegen können. Und diese Retentionsgeräte, Bögen oder Schienen, sorgen genau dafür.

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